© 2018 by Andrea Schär, Architektur & Farbgestaltung

Versteckter Juwel
Einfamilienhaus in Zürich, 2016

Die Siedlung „Im Klösterli“ in Zürich -  Fluntern wurde 1937 nach Plänen des Architekten Dr. Erhard Gull (1895 - 1970) erstellt. Pate stand das Gartenstadtmodell des Engländers Ebenezer Howard, der Ende des 18. Jahrhunderts eine planmässige Stadtentwicklung als Gegenkonzept für die desolaten Wohnverhältnisse der damaligen Zeit propagierte.

Die Siedlung zwischen Zoogelände und Masoalahalle ist die einzige Eigentums- Einfamilienhaussiedlung aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg. Die 27 Doppelhäuser sind kammförmig erschlossen und bilden eine für Zürich typologisch einmalige Siedlung mit versetzten, parallelen Häuserpaaren und markanten Pultdächern.

Die Architektur steht ganz in der Tradition des Neuen Bauens mit dem sachlichen Ausdruck und der Ablesbarkeit der Raumfunktionen an den Fassaden.

Der Wunsch der Bauherrschaft war es, das Haus, welches kaum renoviert wurde seit seiner Erstellung auf einen zeitgemässen Stand zu bringen. Viele Elemente in hoher Ausführungsqualität aus der Zeit der Erstellung waren noch vorhanden. Diese sollten nur sanft renoviert werden, die Raumstruktur des Hauses keinesfalls zerstört werden.

Im Erdgeschoss konnte durch das Entfernen einer Trennwand zwischen Ess- und Wohnzimmer eine schöne räumliche Grosszügigkeit erreicht werden, ohne die Kleinmassstäblichkeit  zu zerstören, die den Charakter des Hauses ausmacht. Ebenso wurde im Obergeschoss der schmale Korridor entlang der einläufigen Treppe mit dem Abstellraum zu einer grosszügigen Galerie verbunden. Die schönen Raumproportionen kommen jetzt noch besser zur Geltung. In der Küche wurde das alte Küchenbuffet mit noch vollständig erhaltenen Glasschütten sanft renoviert und mit einer hochwertigen, in Ölfarbe gestrichenen Küchenzeile ergänzt, ganz in der Tradition der hohen Ausführungsqualität von 1937. Alle Decken wurden zudem mit Leimfarbe gestrichen. Das Holzwerk wie Türen und Türrahmen heben sich mit einem dezenten graubeigen Farbton von der hellen Wandfarbe ab. Im ganzen Haus wurde ein Eichenparkett verlegt, im Eingang und in der Küche Linoleum.

Die Garage, die in den 50-er Jahren ins Haus integriert wurde, ist zu einem Raum mit Nasszelle umgenutzt und ausgebaut worden. Da die Häuser aussen unter Denkmalschutz stehen, musste  die Optik des Garagetors bestehen bleiben. Wir haben mit dem Möbelschreiner Kuno Hostettler aus St. Gallen ein ebenfalls mit Ölfarbe gestrichenes Tor entwickelt, dessen vertikale Lamellen sich in verschiedene Positionen drehen lassen. Dahinter befindet sich eine Hebeschiebetüre, durch welche man auf einen Sitzplatz mit Kiesbelag gelangt. In geschlossenem Zustand wirkt das Tor wie früher, dient nun aber auch als Sicht - und Einbruchschutz. Die Wärmeerzeugung mittels einer Erdsonde lässt das Haus endgültig in der heutigen Zeit ankommen.

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